Sind denn Jagdbuchleser bessere Jäger?
 
In dieser Zeit einer Verunsicherung der Jägerschaft beispielsweise durch die stärker öffentlich beachtete Tierschutzideologie brachte eine naive und unprofessionelle, weil für jeden erkennbar unehrliche Argumentation durch die Jagdorganisationsspitzen den praktisch wirkenden Jäger häufig in Schwierigkeiten. Die gebetsmühlenhaft vorgetragene Behauptung „Jagd ist Naturschutz“ erwies sich in der öffentlichen Diskussion als selbstzerstörerisch. Belletristik und andere Jagdliteratur könnten einen Weg weisen, der dem Jäger das Vertrauen in der Öffentlichkeit wieder zurückgibt, indem sich die jagdlichen Akteure nicht etwa an wirren Einfällen ihrer Vordenker auf Funktionärsebene im Handeln, in ihrem jägerischen Selbstverständnis orientieren würden, sondern an ehrlichen Vorbildern mit einem schätzbaren Jägerethos im Ausdruck von Jagdliteratur.

Ein solch eminentes Kulturgut wie es die Jagd im langen Verlauf der Kulturevolution des Menschen hervorgebracht hat, bedarf zu seiner angemessenen Repräsentation in einer hypermodernen, aufgeklärten Gesellschaft einer geistigen Vermittlung durch hervorragende Eliten. Ihre Abwesenheit bis heute schien manchem damals ein systemimmanentes Gebrechen der Jagdverbände zu sein. In der Überzeugung, die geistige Vermittlung der nicht nur für jagende Menschen bedeutenden jagdkulturellen Güter sei in erster Linie auf die Jagdliteratur und dort vor allem auf Belletristik verwiesen, schrieb Professor Dieter Voth zu jener Zeit in einem Essay (Auszug):

Öffentliche Wahrnehmung der Jagd als geistiges Phänomen

„Nun kann man ja geneigt sein zu fragen, warum in aller Welt überhaupt die jagdliche Belletristik denn so wichtig sein solle. Ein guter Jäger müsse ja nicht unbedingt einen Bücherschrank haben, und ein schlechter Jäger sei auch durch noch so umfängliche Buchkäufe nicht zu missionieren. Aber hier liegt das Problem nicht! Selbstverständlich hat die Jagd, wie viele Tätigkeiten und Aktivitäten, ihre Handwerker, ihre Tagelöhner, ihre Knechte, ihre Reichen und ihre Bettler. Dies alles ist bedeutungslos!

Nicht bedeutungslos ist aber, daß eine Tätigkeit, die wir wie die Jagd als eine Manifestation eines uralten Triebes gesehen wissen wollen, nur dann und ausschließlich nur dann in einer Gesellschaft überleben kann, wenn sie als geistiges Phänomen verarbeitet und aufgenommen wird. Wer von Jagdkultur redet, der sollte dabei nicht an Jagdsignale und Trinkrituale denken. Das hieße den Begriff „Kultur“ gründlich mißzuverstehen. Nein, die Jagd muß als geistiges-kulturelles Phänomen verstanden werden, und ein wesentliches Mittel dazu ist ihre Manifestation in der Literatur.“

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