Podium am 2.11.2005 in Feuchtwangen diskutiert realisierbare Strategien für eine respektable Zukunft der Jagd
Ein Bericht

Sorge um den Bestand des traditionellen Waidwerks

Das Leitkonzept für die Zukunft der Jagd im Feuchtwangener Diskurs:
Nur auf dem Fundament der Jagdkultur kann modernes Waidwerk überdauern.

Zur Eröffnung der Feuchtwangener Fisch- und Wildtage führte eine Podiumsdiskussion zum
Kernproblem der modernen Jagd. Leitthema: Wer führt in die jagdliche Zukunft?

Die vom Veranstalter hierzu eingeladenen und als kompetent vermuteten Diskutanten boten unter Moderation durch Heiner Sindel keine überraschend neuen und intelligenten Konzepte zum Problem. Sie stritten mit unterschiedlichen Ansätzen um den besseren Weg und um eine überzeugende Argumentationsebene. Einige Redaktionsmitglieder von Jagdzeitschriften zeigten sich bei der Zielfindung erstaunlich wenig innovativ. Spekulative Gemeinplätze zu den Gründen, die das aktuell ungünstige Image der Jagd in der Öffentlichkeit in den Blick nahmen, hatten zumindest dann aufmunternden Unterhaltungswert, wenn die nonverbalen Habitualitäten eines Vertreters der Jagdmedien mit schauspielerischer Attitüde über inhaltslosem Wortzauber dem Publikum den Anschein von Tiefsinn geben sollten.

Die Jagd wird in Politik und Gesellschaft unverändert positiv bewertet!

Aus dem Aspekt jagdkulturellen Interesses schienen allein die Positionen von A. Rockstroh (Chefredakteur DJZ) und von H. Kollar (Chefredakteur der österreichischen Jagdzeitschrift „Der Anblick“) Aufmerksamkeit und Nachdenklichkeit zu verdienen. Beispielgebend auch das Referat des mit Kulturpreisen ausgezeichneten Münchner Arztes und Künstlers Dr. Mangold. Er verband in einer psychologisch plausiblen und logisch klaren Sichtweise die historische Entwicklung der Jagd, ihres Brauchtums und ihres Ethos mit einem möglichen praktischen Konzept der Jagd, dessen Tragfähigkeit auch in der Zukunft eine realistische Chance haben dürfte. Dr. Mangold diagnostizierte das Problem als einen Konflikt zwischen der Wahrnehmung des Jägers aus der Beobachterposition, also der Gesellschaft und der jägerischen Selbstdarstellung bzw. seines Selbstverständnisses. Wenn das Kundtun von Machtmotiven und das Beharren auf Rechtspositionen in der Jägerschaft im öffentlichen Empfinden einen aversiven Reiz verursache, dann seien negative Einstellungen der Außenperspektive gegenüber der Jagdleidenschaft mit einer Sichtweise bis zur Qualifizierung des Jagdmotivs als Lust am Töten eine häufig selbstverursachte, hausgemachte Abneigung. Dr. Mangold führte beispielhaft den Abschuß von Katzen in Siedlungsnähe an. Unser Recht kenne ganz allgemein das Verbot unzulässiger Rechtsausübung (vgl. §§ 241 f BGB) und fordere von jedem Bürger, den Vollzug seines Rechtsanspruchs auf Handeln dann selbst bis zum Verzicht zurückzudrängen, wenn Fremdinteresse entweder gleichwertig oder in gleicher Weise berücksichtungsfähig seien.

Die Kultiviertheit des Jägers unserer Zeit zeige sich nicht zuletzt in der Fähigkeit zur Selbstbeschränkung. Außerdem zeige sich darin ein moralisch hochrangiges Merkmal des Jägerethos. Nur auf solche Weise, also in der Verschränkung der Nutzung eigenen Rechts und der Berücksichtigung von Fremdinteressen gelinge ein zukunftsfähiges Konzept für die Jagd. Sein Kern liege darin, die Interessen der Jägerinnen/Jäger und jene der Gesellschaft zu harmonisieren und so zu einem gelungenen Ausgleich zu bringen. Grundlage dieses Konzepts ist die Jagdkultur. Nur als kulturelles Gebilde könne das Jagdwesen erhoffen, im Ganzen aus dem Inbegriff seiner Tradition die Zeit unbeschadet zu überdauern. Der mittels solcher Strategien einzuleitende jagdkulturelle Fortschritt sei notwendig. Die Jägerinnen und Jäger seien aufgerufen, sich den Umbrüchen in Gesellschaft und Politik zu stellen, diesen sich in selbst bestimmter Weise anzupassen ohne ihnen zu erliegen.

Das Problem liegt in der „links-grünen“ Ideologie

Diesen von Dr. Mangold dargebotenen Mechanismus der Kulturevolution griff A. Rockstroh auf und beklagte eine völlig unverständliche Wagenburgmentalität bei den meisten Jagdverbänden, vor allem im Lager des DJV. Dem alten Grundsatz der Evolution: Wer sich nicht anpasst, wird eliminiert, sei das Strategiedenken auf Verbandsebene noch nicht zugängig. Rockstroh machte darauf aufmerksam, daß nach jüngster Erfahrung mit den politischen Parteien im Kontext der Bundestagswahl keineswegs jagdaversive Reizpunkte erkennbar gewesen seien. Ganz allgemein vertrauten die bürgerlichen Parteien auf die unsichtbar ordnende Hand der Jägerschaft im Hinsehen auf das Jagdwesen, auf seine Naturverschränkung und die Interessenwahrung aller Glieder des Ökosystems.

Nur bei der Grünen Partei zeige sich der bekannte Widerstand, der unüberwindbar erscheine, weil in dieser Gruppe die Einstellungen zur Jagd weitgehend ideologisch beeinflusst seien. Die Verbandsleitung der jeweiligen Jagdorganisationen dürften sich deshalb nicht bei Schlechtwetterlage der öffentlichen Stimmung gegen Jagd und Jäger in den Schmollwinkel zurückziehen, sondern sie müssten politisch nicht bloß klug, sondern auch erfolgreich agieren. Solche Politeffekte seien eben nur dadurch erreichbar, daß man – wie in der Politik – die Massen hinter sich bringt. Dazu gehöre eine hohe Sensibilität im Umgang mit den frei lebenden Tieren allgemein und dem Ökosystem im besonderen. Jägerinnen und Jäger müssen mit Engagement und Macht ihre Interessen vertreten, aber sie dürfen nicht machtvoll auftreten. Der richtige Instinkt für das Mögliche ist ein guter Weg zur Problemlösung.

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