Den Schöpfer im Geschöpfe ehren

Der Glaube als Fundament eines Jägerethos im Selbstwiderspruch seines Zweifels

Für den schöpfungsgläubigen Jäger und Christenmenschen im deutschsprachigen Raum ist der Spruch Riesenthals vom Ehrenschild des Jägers, der folglich zu jagen hat, wie sich `s gehört und hierin den Schöpfer im Geschöpfe ehrt, eine innere Verpflichtung und der immerwährende Anruf des Gewissens in Ausübung der Jagd. Wer so jagt, der fühlt sich seinem Schöpfergott gegenüber verpflichtet, Tiere quasi gottesfürchtig aus dem Aspekt der Mitgeschöpflichkeit gewaltsam ihrem biotischen Ende entgegen zu führen.

Diesen Akt des Tötens begreifen schöpfungsgläubige Jägerinnen und Jäger als Konsequenz aus der göttlichen Aufforderung, der Mensch solle sich die Erde untertan machen. Die Vollzugsmodi haben natürlich zur Ehre des Schöpfers zu erfolgen. Deshalb wird der gläubige und gottesfürchtige Jäger das Wild in Ausübung der Jagd ehrfürchtig als Mitgeschöpf behandeln. Das Anlöcken gegen die Rohigkeit seiner Triebe und gegen die Egoismen seiner triebgeleiteten Leidenschaften gelingt dem Jäger aber nicht allein aufgrund seines Glaubens, sondern aufgrund der Erwartungshaltung seines sozialen Umfeldes, der Gemeinde der auf ihn blickenden anderen Gläubigen. Ein von solchem Geist getragenes Jägerethos ist deshalb auch der öffentliche Ausweis, die Visitenkarte des individuellen Gottes- und Schöpfungsglaubens zum kollektiven Bekenntnis.

Wer im Wissen um das Faktum der biotischen Evolution dieses Fundament eines bislang sehr verbreiteten Jägerethos herablassend belächelt und die Akteure mit einer auf ihm beruhenden Jagdmoral für ziemlich naiv einschätzt, der müsste zuallererst einmal angeben können, welche zuverlässigere innere Bindung für jagdhandelnde Subjekte aus der Sicht des Ungläubigen es denn geben könnte. Schnell wird er in Verlegenheit geraten, weiß er doch, daß die Sittlichkeit durch keine stärkere Macht als jene, die der religiöse Glaube, gleich welchen Bekenntnisses, zu etablieren vermag die moralisch geprägte Mentalität fundiert.


Die viel berufene und viel gescholtene Weidgerechtigkeit hat nur dann eine Chance, ihre hohe Verbindlichkeit und Dignität zu bewahren, wenn der religiöse Glaube den Jäger aus der Wurzel seiner Tradition motiviert, den Schöpfer im Geschöpfe zu ehren. Denn gerade im Lager der Ungläubigen ist die Angst vor der Endlichkeit, das Entsetzen vor der Gewissheit des Todes häufig ein auffälliges Stimulans, die unbeweisbare Unsterblichkeit der menschlichen Existenz in ihrem Kern (z.B. Seele) auf oft Mitleid erregende Weise außer Frage zu lassen. Die Todesangst vieler Ungläubigen ist oft schon ziemlich lächerlich!


Das Bewusstsein eines radikalen Endes des Selbstbewusstseins durch den Tod zu ertragen gelingt daher nicht dem Zweifel, der Ungläubigkeit also, sondern allein den so genannten starken Nerven! Jäger mit starken Nerven dieser Art gibt es zahlreich, aber sie maskieren die daraus zu erwartenden negativen Folgen für die Schöpfung häufig durch eine Überbetonung von Weidgerechtigkeit, durch eine merkwürdige Form von Selbstgerechtigkeit.

Der religiöse Glaube im Angesichte der Offenbarung

Aktuell gerät die Vorstellung vom Menschen als einem Wesen nach Gottes Ebenbild ausgerechnet durch solche Anhänger der göttlichen Schöpfung der Welt ins Wanken, die den religiösen Glauben an die Schöpfung zu einer exakten Wissenschaft erheben wollen. In Deutschland finden die fundamentalistischen Akteure in religiös ideologieverdächtiger Absicht (Kreationisten) neuerdings einen auffälligen Zulauf. Sie haben sozusagen Konjunktur!

Droht auch der organisierten Jägerschaft, national dem DJV und international dem C.I.C., durch blindes (oder naives?) Vertrauen gegenüber einem Berater der Präsidenten ein Abgleiten in ein System, das von fundamentalistischen Ideologien und kämpferischen Strategien getragen ist? Ein jüngst zum persönlichen Berater sowohl des DJV-Präsidenten als auch des C.I.C.-Präsidenten berufener Mediziner ist mit fundamentalistischer Aggressivität und Diskriminierungsaktionen öffentlich hervorgetreten. Gegenüber Kritikern seiner moralisch wie rechtlich höchst bedenklichen Umtriebe berühmt er sich mit Anspruch von Autorität und Legitimation seiner Beraterrolle. Er greift mit einer Vernichtungsstrategie eine von den Jagdmedien, von Wissenschaftszeitschriften und anderen überregionalen Publikationsorganen besonders im Interesse der Jäger anerkannte wissenschaftliche Arbeit eines Autors des FORUM LEBENDIGE JAGDKULTUR mit Textverfälschungen an.

Diese Art eines fundamentalistischen Vorgehens gegen anders Denkende, gegen einen Evolutionsforscher, der die kulturelle Entwicklung des Menschen als Jäger in einer ersten Jagdtheorie nachgewiesen hat erscheint mir dem Geist der Bücher-Verbrennungs-Mentalität des Naziregimes verdächtig nahe zu kommen. Es gehört aus dem Aspekt der Bewahrung lebendiger Jagdkultur zum Selbstverständnis des FORUM, Jägerinnen und Jägern durch den Hinweis auf erheblich inkriminierte Fehlformen von „Jagdkultur“ dieser Art rechtzeitig den kritischen Blick für mögliche Fehlentwicklungen zu öffnen.

In mittelalterlicher Mentalität mit Kreuzzugsideen gehen ideologische Fundamentalisten des Schöpfungsglaubens gegen die Fakten der Evolutionsforschung vor und sie wollen mit aller Gewalt bis hin in den Schulunterricht den Schöpfungsbericht der Genesis als Wissenschaft etablieren. Insoweit sind am Beginn des dritten Jahrtausends unserer Zeitrechnung sehr einflussreiche gesellschaftliche Elitegruppen auch auf dem Felde der Jagd hoch aktiv. Folgt man ihnen nur an einem Beispiel ihrer Wissenschaft like Genesis, dann besteht der moderne Mensch erst seit etwa 6000 Jahren, also seit dem Zeitpunkt der göttlichen Schöpfung. Die aus einer darwinistischen Theorie zum wissenschaftlichen Beweis mit intersubjektiver Anerkennung (Paradigma) zum Faktum emanzipierte Evolution wird heute wohl von keinem ernstzunehmenden Wissenschaftler mehr in Zweifel gezogen. Die Schöpfungsgläubigen Ideologen bzw. Fundamentalisten aber strengen sich an, dieses Faktum der exakten Wissenschaften als geistige Verirrung, als Teufelswerk zu diskreditieren.

Viele Jäger sind irritiert und sie fragen sich folglich, wie im Widerstreit zwischen ihrem religiösen Glauben und den Fakten dieser Welt eine ausgewogene Einstellung gefunden werden könnte.

Einerseits sind wir alle der vom Grundgesetz geforderten Toleranz verpflichtet, andererseits blicken gläubige Christen auf eine ernstzunehmende fundamentalistische Ideologie, die gerade den christlichen Glauben im Schilde führt, aber mit diesem zum Kampf gegen Toleranz angetreten ist. Zurück also ins Mittelalter, zurück zu den Kreuzzugsphantasien? Toleranz des Handelnden stößt dort an ihre Grenze, wo die eigene geistige oder biotische Existenz in Gefahr gerät und die eigene Kultur einer existenzialen Bedrohung ausgesetzt ist.

Der Irrweg des schöpfungsgläubigen Fundamentalismus

Wie immer auch der gesellschaftliche Diskurs in dieser Frage einmal entschieden sein wird: Der gottgläubige Jäger darf im Angesichte der geheimen Offenbarung darauf vertrauen, daß sein Glaube wohl nicht einer subtil-diabolischen Strategie zum Opfer fallen wird, die wir jüngst am Beispiel des Kreationismus erfahren müssen. Sowohl der Papst als auch der europäische Episkopat anerkennen die Gesetze der Evolution. Ein österreichischer Kardinal zeigte jüngst Unverständnis für den kreationistischen Anschlag auf die Errungenschaften der Freiheit und Toleranz. Er bekennt sich zur Evolutionslehre als Wissenschaft und gibt zu bedenken, daß solchen Prozessen in der Natur (Evolution) ein göttlicher Wille voraus und zugrunde liegen kann.

Hier zeigt sich auf katholischer Seite immerhin ein Ansatz der Vermittlung, der den Schöpfungsglauben nicht aufgibt, die naturwissenschaftlichen Fakten aber nicht in Frage stellt, sondern diese als Folge einer Schöpfung in den Blick nimmt. Mit diesem Ansatz wird zugleich der kindlich-naiven Vorstellung vom lieben Gott als dem Mann mit langem Bart, vom Paradies der Bilderbuchschilderung der Genesis und vom Sündenfall am Apfelbaum eine intelligente Absage erteilt. Dennoch, Moses und Jesus belügen das Volk nicht, sondern sie benutzen Metaphern, um den bis heute in Angelegenheit abstraktes Denken minimalistischen Verstand nicht ganz in die Irre geraten zu lassen. Die Methode hierzu scheint der transzendentalen Dialektik von Immanuel Kant ihre wesentlichen kognitiven Elemente entlehnt zu haben.

Damit erweist sich dieses Denken auf der respektablen Ebene von Immanuel Kant aus dem Aspekt der transzendentalen Erkenntnis. Wir besitzen folglich eine Erkenntnisart, die nicht durch äußere Gegenstände uns Wissen vermittelt. Wir können vielmehr a priori, also vor aller Erfahrung über ein Wissen verfügen, das außerdem es uns erst ermöglicht, zu einer Erkenntnis aus Erfahrung zu gelangen. Damit verhält sich Kant naturwissenschaftlich, wenngleich n.s.A. innerhalb der Grenzen der reinen Vernunft. Er übersteigt aber damit nicht das Bewusstsein (das wäre transzendent), sondern Kant bleibt gewissermaßen ein Naturwissenschaftler der Metaphysik.

Auch über Kants Philosophie breitet sich ein Geheimnis, das zum relevanten Thema passt: Wer weiß denn schon, daß dieser größte Philosoph der Menschheitsgeschichte mit seiner Kritik der reinen Vernunft und anderen Werken nichts anderes zu erlangen trachtete, als Gott zu beweisen? Es ist ihm nicht gelungen. Im Opus posthumum sagt Kant: Gott ist eine Idee. Aber diese Idee ist Wirklichkeit.

Wir Jäger sollten beruhigt weiter an Gott glauben und auf ihn vertrauen. Selbst dann, wenn ab und zu solch ein Kappes dabei herauskommt, wie ihn ein Internetbesucher des FLJ auf der Forenseite im TOP Jagdrecht zum Ausdruck bringt. Der richtige Weg also ist dieser: Für den gläubigen Jäger, und freilich nicht bloß für diesen, bedeutet die biotische Evolution eine Strategie, ein Mechanismus der Schöpfung! Hierbei begleitet uns Kants Philosophie im Ausgang von Aristoteles und hiermit sind wir zugleich in Kants Sinne aufgeklärte Jägerinnen und Jäger mit einem angemessenen Verständnis von Freiheit und Moral.

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Stand: 04.12.2006