Jagdpolitik und Kultur
 
Stellt sich ein jagd-kultureller Verein unter den Anspruch, die „Jagdpolitik“ näher in den Blick nehmen, ja vielleicht sogar betreiben zu wollen, dann setzt er sich leicht dem Verdacht aus, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten zu überheben. Deshalb will das FLJ auch das Geschäft der allgemeinen Politik bezüglich des Jagdwesens jenen überlassen, die entweder dazu berufen sind (Verbände, Jagdorganisationen, Bundes- und Landesregierungen) oder sich dazu berufen fühlen (Jagdzeitschriften, Einzelpersönlichkeiten und private Initiativen von Gruppen innerhalb der Jägerschaft).

Anders verhält es sich mit der Jagd – Kulturpolitik. Zu den Zielen und Zwecken des Vereins gehört die öffentliche Wahrnehmung von Aufgaben im Sinne lebendiger Jagdkultur! Sollen Fehlentwicklungen vermieden und Erwartungen der Außenperspektive angemessen begrenzt werden, dann erscheint es mir angesichts der allgemeinen Begriffsverwirrung im Hinsehen auf „Politik“ und „Kultur“ notwendig zu sein, diese Begriffe zunächst einigermaßen genau inhaltlich zu definieren.

Politik ist offenbar ein öffentliches, gesellschaftsbezogenes Phänomen. Politik beinhaltet Maßnahmen einer Person oder Gruppe, einer Institution (Staat) oder Organisation (z. B. DJV, Kirche, Gewerkschaft) und sie dient deren Machtinteressen. Mit Politik werden immer irgendwelche Interessen verfolgt. Wertfrei kann eine vielleicht höchste Form der Politik so definiert werden: Sie ist der Inbegriff aller Handlungen, die sich im Kontext von Machtkämpfen um eine Veränderung in der Bestimmung der Staatszwecke und um deren Durchsetzung bemühen. Beispiel: Will also die Bundesregierung jagdrelevantes EG-Recht national umsetzen, und die deutsche Jägerschaft betrachtet sich dadurch erheblich beeinträchtigt, dann gehört es zur (Verbands-) Jagdpolitk des DJV im demokratischen Diskurs die Interessen der Jägerschaft entweder gegen solche Absichten durchzusetzen oder wenigstens eine Abschwächung der Beeinträchtigung zu erreichen. Dieses Ziel könnte auch durch ein, soweit ich erinnere noch nie versuchtes Normenkontrollverfahren auf den Weg gebracht werden. Politischer Sachverstand besteht in der Fähigkeit zur richtigen Vermittlung zwischen verschiedenen Staatszwecken.

Kultur ist nach einer guten und nicht vulgär belasteten, im spezifisch kulturellen (akademischen) Vorstellungs- und Denkraum allgemein anerkannten Definition ein kulturevolutiv gewachsenes System besonderer Art: Sie ist ein geschichtlich gewordenes System expliziter und impliziter Lebensentwürfe, das tendenziell von allen oder von besonders bezeichneten Mitgliedern einer Gruppe geteilt wird. Für die Jagd als Lebensform des Menschen bedeutet diese Definition ein Selbstverständnis des Jägers aus dem Inbegriff seiner jagdbezogenen Anlagen (Jagdleidenschaft und alle individuellen jagdbezogenen Interessen, die den individuellen Lebensplan beeinflussen können). Sprache und Sitte sind die beiden Grundelemente der Kultur, nämlich des elementaren Bandes jeder menschlichen Form von Gesellschaft. Für die konkrete Wahrnehmung von Jagdkultur durch das FLJ bedeutet dies auch, daß sich vor allem die sprachliche Form und Ausdrucksweise der Vereinsakteure auf einem möglichst hohen Niveau ansiedelt (z. B. bei Jagdschriftstellern, Lyrikern, vor allem i. d. jagdlichen Belletristik). Mögen sich auch Jagdzeitschriften auf einem gewollt niedrigen Sprachniveau im semantischen Einerlei bewegen, um auch für jeden Jäger im Land verständlich zu sein (davon hängt wohl auch deren abonnierte Auflage ab), so verhält sich die sprachliche Orientierung des jagdkulturellen Vereins FLJ genau umgekehrt:
Es kommt nicht darauf an, dem aktuell beklagten PISA-Niveau einer erschreckenden Zahl von Bundesbürgern sprachlich den Hof zu machen; dies wäre kultureller Verrat! Es kommt eher darauf an, dem Jäger und einem erweiterten Kreis darüber hinaus einen sprachlichen und anderen kulturellen Leitfaden (Sprach- und Handlungsorientierung, Jagdmoral, Jägerethos, ökologisches Denken und Verstehen, Tierschutz usw.) herzugeben, mit dem nicht intellektuell niedergezogen, sondern Orientierung (an dem geistig Möglichen) dargeboten wird. Nichts weist deutlicher auf die soziale Dimension des menschlichen Geistes hin als die Sprache. Sie ist Grundlage jeder Kultur, deren Aufstieg, Höhe und Verfall (vgl. PISA-Untersuchung) stets an dem Zustand der Sprache abgelesen werden können. Das FLJ wird aus diesem Aspekt bemüht sein, die Zukunft von Jagdkultur offen, lebendig und auf einem möglichst hoch entwickelten Niveau als die geistige Visitenkarte der Jägerinnen und Jäger zu gestalten. Die Entwicklung wird zweifellos keine allgemeine und einheitliche Zustimmung erfahren. Wie überall in der Gesellschaft gilt der bekannte Satz von Max Weber auch hier: Jeder Stand hat seinen Pöbel. Die sich hiervon abheben nennen wir Eliten. Es ist ein aktuelles kulturpolitisches Erscheinungsbild in Deutschland: Überall im Land erfährt die Elitenförderung besondere politische und gesellschaftliche Aufmerksamkeit als Ausdruck unserer gegenwärtigen Kultursituation. Es ist nicht einzusehen, weshalb die Jägerinnen und Jäger diese Entwicklung an sich vorbeiziehen lassen sollten!

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