UNESCO-Weltbuchtag:
Lesungen und Lyrik von Jagdautoren in Weimar am 23./24. April 2005

Das Forum Lebendige Jagdkultur e.V. wurde auch in diesem Jahr dem Anspruch und den Erwartungen gerecht, die Jägerinnen und Jäger mit einer jagdkulturellen Organisation verbinden. Das satzungsgemäße Ziel im Selbstverständnis des FLJ, nämlich die geistigen Interessen der deutschsprachigen Jägerschaft zu vertreten, fand auf angemessene Weise praktisch Beachtung. Aus Anlaß des von der UNESCO gegründeten Weltbuchtages wurden in Verbindung mit der Jahrestagung des Vereins Autorenlesungen, Lyrik und Referate dargeboten, die sich Goethes Geist in Weimar verbunden fühlten. Der soeben neu gewählte Vorsitzende des Vorstandes, der Literaturprofessor Dr. Gerd Rohmann, Uni Kassel, folgte in seinem Vortrag „Goethe und die Jagd“ der jagdlichen Vita des Dichterfürsten in Weimar. FLJ-Mitglied und Jagdhistoriker Erich Hobusch, Berlin, hob die beachtenswerte Initiative des FORUM hervor, angesichts der geistigen Orientierungslosigkeit der deutschen Jägerschaft einen respektablen Beitrag zur lebendigen Jagdkultur als einzige Jagdorganisation am UNESCO-Weltbuchtag (23. April 2005) zu leisten. Es sei sehr verdienstvoll, der Öffentlichkeit zu zeigen, daß wir Jägerinnen und Jäger auf unser jagdliches Tun kulturelle Reflexion betreiben und Verantwortung tragen im Ausdruck von Belletristik, Lyrik oder Sachbuch. „Da stellen sich unsere Autoren am Weltbuchtag im Dorotheensaal zu Weimar hin, halten Lesungen aus ihren Werken, tragen Gedichte vor, präsentieren Jagdkunst in der Galerie und setzen sich mit aktuellen Fragen von Jagd, Gesellschaft und Ökosystemen auseinander. Hierin zeigen wir unseren Freunden und Kritikern, wo der geistige und kulturelle Bezugspunkt der Jäger praktisch in Erscheinung tritt. Ich bin stolz auf das Forum Lebendige Jagdkultur!“, - so Erich Hobusch.


 

Die schriftstellernde Berufsjägerin Ursula Sabban
liest aus ihrem Essay, das eine Analytik
von weiblicher Emotionalität und Jagdpassion versucht

 
 
Der bekannte Heidedichter und Forstmann
OttoSorge trägt Gedichte vor, die den
ewigen Lebenszyklus von Entstehen,
Werden und Vergehen in der Tiefe der
Jägerseele als Naturerfahrung verorten


 
Der von der UNESCO ins Leben gerufene internationale Feiertag für Bücher und das Lesen wurde rund um den 23. April in über 300 Städten mit Festveranstaltungen von Buchhandlungen und Verlagen begangen. Die bundesweiten Aktivitäten der Literaturbranche zum Welttag des Buches wurden unter Mitwirkung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels mit einem Lesefest in der Alten Oper zu Frankfurt/Main gestartet. In Weimar traten in Würdigung dieses Ereignisses Autoren und Lyriker des FORUM LEBNDIGE JAGDKULTUR e.V. mit jagdthematischen und ökologischen Beiträger an.

Mit einer satirischen Metaphorik „McKinsey und die Hirsche vom großen Wald“ griff der Jagdliterat und Industrielle Dieter Stahmann jagdpolitische Themen auf und setzte sich mit der vielfältigen Interessenkollision von Forstadministrationen, Jagdverbänden, praktischer Jagd und ideologischem Naturschutz auseinander. Der Beitrag von Stahmann ist wegen seiner jagdkulturellen Leitlinie im Rückgriff auf historische Zusammenhänge in intellektueller Absicht erwähnenswert. Er zeigt eine brauchbare Möglichkeit auf, wie Jagd im gesellschaftlichen Diskurs akzeptabel für jedermann vertreten und dargeboten werden kann.

Beachtung fand auch der Beitrag des neugewählten stellvertretenden Vorsitzenden Dipl.-Ing. Herbert Rosenstingl mit einer kritischen Abhandlung zur Jagd als Wissenschaft. Der Referent hob hervor, daß die in Deutschland von außen als Jagdwissenschaftler apostrophierten Bezugsgrößen an Universitäten sich selbst nicht als Jagdwissenschaftler begreifen. Sie seien aus wissenschaftlicher Disziplin und Selbstdistanz sehr zurückhaltend, wenn von Jagdwissenschaft die Rede sei. Als Grund werde das Faktum angegeben, daß es kein wiss. Paradigma Jagd gebe. Solange aber der Wissenschaftler nicht wisse, was überhaupt das Objekt seiner Forschung sei, könne auch nicht von Jagdwissenschaft gesprochen werden. Die von Rosenstingl namentlich aufgeführten Universitätsprofessoren sprechen sich eindeutig gegen die von Kurt Lindner entwickelte Jagddefinition als ein menschliches Spezifikum aus.

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