Herzlich Willkommen!

Vielleicht, weil Sie es schon immer wussten führt Sie Ihr Weg zu uns:

Die Kultiviertheit des Menschen nahm in unserer frühen Stammesgeschichte von Jagdkultur ihren Ausgang. Unsere Gene haben dafür gesorgt, daß wir wohl immer irgendwie Jäger geblieben sind. Weit über den Wildbeuter greift unsere Kultiviertheit hinaus. Oft blicken viele von uns auf jenen Ursprung zurück von dem unsere Jägerkultur ausging. Der Verein FLJ steht unter dem Anspruch eines gesamtgesellschaftlichen Konzepts: Er will eine Verbindung zwischen der Urkultur der Menschheit und unserer heutigen Leitkultur leisten. Er will das strenge Kontinuum bewußtmachen, das die aktuelle Kulturform unserer Gesellschaft erst zukunftsfähig sein läßt.

Vor kurzer Zeit war es noch zu befürchten, daß sich der Mensch allzu sehr in seine Geistigkeit verlieren könnte. Heute staunen wir über die enormen Schwierigkeiten in Politik und Gesellschaft bei dem Versuch, den Menschen nicht ganz in seine Tierheit versinken zu lassen.

Jägerinnen und Jäger versuchen engagiert mit lebendiger Jagdkultur einen politischen Beitrag zu leisten, um die richtige Mitte zwischen Kultur und Natur nicht zu verlieren.

Ein Jagdessay des spanischen Kulturphilosophen José Ortega y Gasset vermittelt uns eine Orientierungsinstanz. Auf dieser Ebene diskutiert die DEUTSCHE GESELLSCHAFT JOSÉ ORTEGA y GASSET e.V. aktuelle jagdpolitische, jagdkulturelle und gesellschaftlich relevante Fragen. Sie verknüpft unter Einbeziehung des aktuellen Wissens der modernen Neurowissenschaften die Lebensphilosophie und Kulturanthropologie von Ortega mit den konkreten Problemen der Jäger und Jägerinnen unserer Zeit, soweit die gesellschaftliche Akzeptanz der Jagd in der Sicht steht. Spezifische Antworten und Strategien werden von der Ortegagesellschaft für relevante Gruppen in Absicht der Vermittlung einer kompetenten Diskursfähigkeit angeboten. Zugang elektronisch: www.ortegagesellschaft.de.

Machen Sie mit!

Vielschichtig wie Kultur und Gesellschaft überhaupt sind auch die Interessen und Aufgaben der Mitglieder des Form Lebendige Jagdkultur e.V. (bitte vergleichen Sie die Ausführungen auf der Seite „Verein“). Nach einer ersten Zusammenkunft von Jagdschriftstellern und anderen Künstlern mit jagdbezogenen Arbeiten (1993 in Stromberg bei Bingen/Rhein) entwickelten sich die im Jahresturnus folgenden Treffen zu Begegnungen einer durch freundschaftliche Gesinnung und Toleranz verbundenen Gruppe.

Autorenlesungen, Gedankenaustausch auf privater Ebene, Kamingespräche der Künstler mit ihren Gästen/Besuchern lassen in wechselseitiger Hochschätzung, mental und emotional, der Jagdkultur zugeneigte Menschen bei den Jahrestagungen des Vereins zusammen finden und zusammen wachsen. Im Hinsehen auf Jagdkultur können die oft sehr unterschiedlichen Interessen und Ansprüche der Mitglieder durch Verteilung der Tätigkeitsfelder eine spezielle bzw. individuelle Gestalt erhalten. Jeder kann auf seine Weise und nach seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen an lebendiger Jagdkultur mitwirken, seine Fähigkeiten, Erfahrungen und Anschauungen einbringen und so kulturell individuelle Bedürfnisse befriedigen. Das kann auch zur Teilhabe an alledem bloß durch Mitgliedschaft im FLJ Ausdruck und Erfüllung finden.

Die unterschiedlichen Aspekte und individuellen Interessen im Hinblick auf Jagdkultur werden im FORUM durch Arbeitskreise gepflegt und weiter entwickelt. Mit den Sektionen (Arbeitskreise) wird die Vielschichtigkeit jagdkultureller Felder bedacht. Allen Mitgliedern steht eine Teilhabe bzw. eine schöpferische Mitwirkung offen. Die menschliche Begegnung, der freundschaftliche bzw. kritische Gedankenaustausch in geselliger, froher Runde sind ein starkes inneres Bindeglied der Gruppe. Das Tagungsprogramm bringt diesen Aspekt zum Ausdruck. Wir alle wollen dazu beitragen, lebendige Jagdkultur als ein mit Freude und Hingabe erlebbares Gut zu gestalten, darzubieten und zu erhalten. Lebendige Jagdkultur inhaltlich zu interpretieren und zu definieren betrachtet beispielsweise der hierzu berufene Arbeitskreis als eine seiner vornehmen Aufgaben. Dabei spielt die Frage eine Rolle, in welchen Horizonten wir lebendige Jagdkultur denn überhaupt erfassen können und welchen Schwerpunkt wir für den Verein als maßgeblich zu verorten haben.

UNESCO-GENERALKONFERENZ vermittelte angemessene Kulturdefinition

Auf der 31. Generalkonferenz verabschiedete die UNESCO am 2.11.2001 eine Erklärung zur kulturellen Vielfalt und zur universellen Definition des Begriffs KULTUR. Demgemäß ist KULTUR die „Gesamtheit der unverwechselbaren geistigen, materiellen und emotionalen Eigenschaften“, die „eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen“ und die „über Kunst und Literatur hinaus auch Lebensformen, Formen des Zusammenlebens, Wertesysteme, Traditionen und Überzeugungen umfasst.“

Wichtig erscheint mir zuallererst, dass die häufig nebulöse Vorstellung von Kultur in den Köpfen von Jägerinnen und Jägern, aber auch gleichermaßen nebulös anzutreffen in den meisten sonstigen gesellschaftlichen Gruppen von einem klaren und deutlichen Begriff Kultur ersetzt wird. Hierzu bietet sich uns mit der UNESCO-Definition eine praktisch umsetzbare Chance. Nicht noch so beeindruckende Kunstwerke, wie zum Beispiel die Kunstwerke der Malerei, der Musik (Symphonien usw.) der jagdthematischen Schriftstellerei, hier vor allem der Belletristik und Lyrik, darüber hinaus Artefakte der Bildhauerei, Kunstkeramik und kunstvolle Erzeugnisse des Büchsenmacherhandwerks sind Jagdkultur, sondern sie allesamt sind bloß Ausdrucksformen derselben.

Wer überhaupt begreift, dass Jagdkultur in Europa ein Element der europäisch-abendländischen Kultur ist, der versteht auch den notwendigen Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Lebensformen der Menschen und deren Repräsentation über psychomentale schöpferische Kräfte (Kreativität) in uns im mannigfaltigen Aufweis von Kulturschaffen. Glück und Freude daran, dem Innen, dem ganz individuellen Erleben von Leben in der Außenwelt einen symbolhaften Ausdruck zu verleihen sind in den meisten Fällen von Kulturschaffen die Grundlage künstlerischer Tätigkeit.

Die Kultiviertheit des Menschen allerdings zeigt sich in der internalisierenden Interpretation des Insgesamt der kulturellen Leistungen eigener und fremder Kulturen. Erst hieraus bildet sich das sozialverträgliche Gesellschaftswesen Mensch im Geiste der Aufklärung, deren markante Visitenkarte, wie Immanuel Kant es herausgearbeitet hat, die Bildung und Toleranz sind. Die Pflicht jedes Menschen zur Selbstkultivierung durch Bildung und Ausbildung der in ihm angelegten Fähigkeiten im angegebenen Sinne ist eine Pflicht gegenüber der Menschenwürde, meint Kant.

Die Konsequenz für Jäger, Jagd und Jagdkultur

Erstens müssen wir einsehen, dass Jagdkultur im westlichen Kulturraum eine Subkultur unserer eigenen, nämlich der europäisch-abendländischen Leitkultur ist. Allgemein sprechen wir heute insoweit vereinfachend von der westlichen Kultur. Zweitens können wir ohne weiteres der UNESCO-Definition entnehmen, dass die soziale Gruppe der (insbesondere deutschen und weiterhin der westeuropäischen und amerikanischen) Jäger sich aus einer unverwechselbaren geistigen, materiellen und emotionalen Verbindlichkeit (z.B. Weidwerk, Weidgerechtigkeit, jagdliches Brauchtum, Jägersprache) selbst versteht und definiert. Und drittens liegt es für uns nahe auch zu akzeptieren, dass lebendige Jagdkultur vor allem Ausdruck einer modernen Lebensform ist, die Kunst und Literatur übersteigt und sich in Formen des Zusammenlebens, von Wertesystemen und Traditionen (Tierschutzgedanke, Ethos des Jägers, Brauchtum usw.) manifestiert. Wer aber die soziokulturelle Dimension beispielsweise von Jägerstammtischen, Gesellschaftsjagden mit geselligen Zusammenkünften bei Tafelfreuden, von Bläsergruppen, Jagdvereinen oder den großen Jagdorganisationen (DJV, LJV's, Game conservancy, Jagdorden) kulturell gering schätzen wollte, der hat noch immer nicht begriffen, was Kultur denn überhaupt ist.

Unser Leitbild der Jagdkultur orientiert sich an der Kulturdefinition der UNESCO. Und wir wissen, dass wir in dem Universum kulturellen Lebens und Schaffens nur an der Kette unserer jagdkulturellen Tradition zur lebendigen Jagdkultur fortschreiten können. Wer dem Baum die Wurzeln abschneidet, der kann keine Blüten erwarten. Kultiviert ist nicht jener, der selbst in Fülle kulturelle Früchte verzehrt, sondern bloß der, der zugleich auch dafür sorgt, dass er sie verdauen kann. Das hierzu taugliche Instrument ist Bildung, Wissen und ein schätzbares Jägerethos!

Ich glaube, es lohnt sich für einen jeden von uns, diesem Leitbild in kultureller Absicht als der Idee des Forum Lebendige Jagdkultur e.V. zu folgen.

Ihr Dr. Günter R. Kühnle
   (Vorstand)

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Stand: 13.01.2011